Unsere Projekte

Der Verein AHNR  (Asociatia Handicapatilor Neuromotor din Romania) Arad

 

Der Verein für neuromotorisch behinderte Menschen in Arad wurde 1992 gegründet.

AHNR Arad ist einer von insgesamt 18 miteinander vernetzten Vereinen in verschiedenen Regionen Rumäniens. Ekaterina-Ani Jager ist seit 1994 Vorsitzende und Präsidentin. Der Kreis Arad hat ca. 125 Mitglieder: Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit mehrheitlich schweren Behinderungen seit Geburt, durch Unfälle oder Krankheiten.

Ekaterina Ani Jager ist selbst durch einen unverschuldeten Autounfall querschnittsgelähmt und sitzt in einem Rollstuhl. Sie lebt zusammen mit ihrer Mutter in einer kleinen Zweizimmer-Wohnung in Arad. Sie spricht außer rumänisch noch ungarisch, englisch und deutsch. Von ihrem PC aus organisiert sie den Verein und ist dank ihrer Herzlichkeit, ihres Humors und nicht zuletzt ihres Durchsetzungsvermögens gegenüber den Behörden das Zentrum des Vereins.

Situation des Vereins: Der Verein erhält keine finanziellen Mittel vom Staat.

Behinderte bekommen vom Staat je nach Grad der Behinderung monatlich zwischen 130 € und 20 €, ein persönlicher Assistent oder eine persönliche Assistentin, das kann auch ein Elternteil sein, bekommen bei schwerer Behinderung (das Recht auf einen persönlichen Assistenten haben nur schwer Behinderte)  zwischen 300 € und 280 €. Letzteres gilt aber nur bis zur Pensionierung/Rente! Das bedeutet: kommt eine pflegende Mutter ins Rentenalter, fallen diese Einkünfte weg! Man kann eine fremde Person als persönlichen Assistenten suchen, der dann als Angestellter des Rathauses Arad gilt und von dort bezahlt wird. Wer keinen Assistenten will oder keinen findet, kann das Geld vom Staat auf sein Konto überweisen lassen.

Aufgaben des Vereins: Der AHNR setzt sich für die Rechte und die Unterstützung behinderter Menschen in Rumänien ein. Er kämpft für die Integration von Kindern und Jugendlichen in Kindergärten, Schulen und Ausbildungsstätten. Er fordert Zugang zu öffentlichen Einrichtungen (Rampen!) und organisiert Kurse für Pflegende und Behinderte: PC – Kurse, Projekte zu Ernährung, Physiotherapie („Wir helfen unseren Eltern“), Projekt Café zum Nullpunkt mit dem Ziel: heraus aus der Isolation und weg vom Fernseher! Man trifft sich zum Gedankenaustausch, zum Spielen, zu Ausflügen und Besichtigungen unter dem Motto „Wir sind nicht unsichtbar“ und „Wir fordern Teilhabe am öffentlichen Leben“.

Der Verein stellt selbst Kerzen zum Verkauf her. Die Kerzen werden in Deutschland verkauft. Ein Teil des Erlöses wird für den Kauf von Windeln und Inkontinenzartikeln und für die Versicherungskosten der Fahrzeuge verwendet. Ein weiterer Teil des Geldes wird für Gießformen, Farben, Docht, Paraffin und Stearin gebraucht. 

URS e.V. Stuttgart unterstützt den Verein AHNR jeweils nach Bedarf mit Geldspenden und hält regelmäßigen persönlichen Kontakt.

 

In der Galerie finden Sie das Bild eines jungen Paares. Ihre Geschichte erzählen wir hier:

 

Die  Liebesgeschichte von Tabita und Adi

 

Kennengelernt habe ich Tabita beim Markt der Nichtregierungsorganisationen, wo unser Verein sich präsentiert hat mit dekorativen Kerzen, die Menschen mit Behinderung hergestellt haben. Tabita war zusammen mit ihrem Freund Adi da, einem schwerbehinderten jungen Mann, der im Rollstuhl saß. Plötzlich war Adi aus unserem Zelt verschwunden und Tabita fing an zu weinen: „O Gott, Adi geh nicht weg, ich kann ohne ihn nicht leben, Adi komm zurück, ich sterbe, wenn Adi weggeht!“

Ich habe Tabita versichert, dass er bestimmt wiederkommt, und sie war dann wieder einigermaßen beruhigt. Aus den Augenwinkeln schaute sie immer wieder in die Richtung, wo Adi mit jemandem redete.

So war Tabita damals, ein junges, ängstliches Mädchen, das sehr an dem jungen Mann hing.

Tabita ist 1988 geboren und leicht behindert. Leider hat sie keine glückliche Kindheit gehabt. Ihre Eltern haben sie bis zu ihrem 17.Lebensjahr oft brutal geschlagen und ihr zur Strafe das Essen entzogen.

Nachdem sie Adi kennen gelernt hat, hat sich ihr Leben verändert. Es war Liebe auf den ersten Blick! Und seitdem, seit 13 ½ Jahren, sind die beiden zusammen. Tabitas Eltern waren nicht einverstanden mit dieser Beziehung, weil Adi behindert ist. Aber Tabita  sagt: „ Adi kann nicht gehen. Aber für mich zählt das nicht. Ich liebe ihn so, wie er ist. Es zählt, dass wir uns lieben und verstehen.“

 

Mit dem Einverständnis von Adis Vater ist Tabita im Alter von 18 Jahren zu ihm gezogen. Drei Jahre lang hatte sie Angst vor ihren Eltern, die nur drei Blocks weiter entfernt wohnen, dass sie kämen und sie zurückholten.

Tabita war sehr schüchtern und wagte nicht, offen ihre Meinung zu sagen. So war sie erzogen worden!

Die Begegnung mit Tabita war auch für Adi ein Trost nach dem Verlust der Mutter, die vor zwei Jahren im Alter von 42 Jahren gestorben war.

Adi hat dann zusammen mit Tabita bei seinem Vater gelebt. Dieser hat Tabita wie ein eigenes Kind aufgenommen. Er hat ihr beigebracht zu kochen, zu putzen, einzukaufen und vieles mehr. Adi hat sie gelehrt zu reden, sich frei auszudrücken, stark zu sein und vor allem: keine Angst zu haben! Nach dem Tod von Adis Vater haben die Beiden beschlossen zu heiraten. Es ist das erste Paar in unserem Verein, das geheiratet hat, und sie sind sehr glücklich zusammen. Auch im Verein haben wir gefeiert und Tabita hat uns eine schöne Überraschung beschert: Sie hat ein Blech mit Pizza und ein Blech mit Kuchen gebacken. Sie ist die erste von unseren Mitgliedern, die verstanden hat, dass es schön ist zu schenken – nicht nur, etwas zu bekommen.

In den drei Jahren, in denen sie nun verheiratet sind, haben sie ihre Küche renoviert, neue Küchenmöbel gekauft, eine Geschirrspülmaschine angeschafft und eine neue Matratze gekauft. Als nächstes ist das Esszimmer dran.

Adi und Tabita sind überall in der Stadt anzutreffen, zu allen Jahreszeiten, bei jedem Wetter, in Kaufhäusern, im Konzert, im Theater, auf Märkten, bei sportlichen Ereignissen, bei Ausstellungen. Anfangs fuhr Tabita mit einem Dreirad und Adi mit einem elektrischen Scooter. Das war wunderbar! Jetzt ist der Scooter kaputt, und es gibt keine neue Batterie, also gehen sie zu Fuß, bzw. Tabita schiebt den Adi. Alle Achtung!

Ich bin stolz darauf, dass sie meine Freunde sind!

 

Erzählt von Kati Jager und übersetzt von Elisabeth Künstler